Mali
Mali sieht sich weiterhin mit tiefgreifenden politischen, sicherheitspolitischen und
humanitären
Krisen konfrontiert. Die angespannte Lage ist geprägt durch bewaffnete Gewalt, wachsende
Spannungen
zwischen Gemeinschaften sowie zunehmende Naturkatastrophen.
Im Jahr 2024 verschärfte sich die Sicherheitslage insbesondere in den Kreisen
Bankassé und
Bandiagara. Während die allgemeine Kriminalitätsrate vergleichsweise niedrig bleibt,
nehmen
bewaffnete Überfälle und die Verbreitung improvisierter Sprengsätze deutlich zu
– mit
dramatischen Folgen für die Zivilbevölkerung. Frauen und Kinder sind besonders
betroffen. Zwischen
Juni und September 2024 stieg die Zahl der Binnenvertriebenen auf rund 378'400 Menschen, davon
58 Prozent
Frauen und Kinder.
Die prekäre Sicherheitslage hat auch das Bildungssystem massiv getroffen: Landesweit wurden
1’500
Schulen geschlossen – darunter 67 in Bandiagara, einem Projektgebiet von IAMANEH. Rund
500’000
Kinder sind davon betroffen. Das Risiko von Übergriffen auf Frauen ist in instabilen
Kontexten
besonders hoch. Das Thema steht jedoch auf der politischen Agenda: Im Dezember 2024 gab es eine
Änderung im Strafgesetzbuch von Mali. Es enthält nun spezifische Bestimmungen zum
Schutz vor
häuslicher Gewalt, sexuellen Übergriffen, Menschenhandel und Zwangsheirat.
Die politische Situation bleibt fragil. Die für 2024 geplanten Präsidentschaftswahlen
wurden
verschoben und die militärische Übergangsregierung bleibt bis auf Weiteres im Amt.
Mali hat sich
im Januar 2024 endgültig aus der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten
(ECOWAS)
zurückgezogen. Im Juli wurde es Gründungsmitglied der Allianz der Sahel-Staaten (AES),
deren
Vorsitz es innehat.
Die Bevölkerung ist zusätzlich zur Sicherheitskrise mit Naturkatastrophen und
Krankheiten
konfrontiert. In Mali gibt es seit 2023 eine Malaria- und Dengue-Epidemie, wegen der im August
2024 der
nationale Katastrophenstatus ausgerufen wurde. Zudem haben die Überschwemmungen, die von
Juli bis
September 2024 den Sahel betrafen, auch Mali nicht verschont. Vom Beginn der Regenzeit bis zum
22. August
2024 wurden 122 Überschwemmungen registriert. Gemäss den Behörden betrafen sie
7’077
Haushalte und damit rund 47’370 Personen. Am 23. August 2024 wurde für das gesamte
Staatsgebiet
der Katastrophenzustand ausgerufen.