Westafrika • Burkina Faso

Burkina Faso

Burkina Faso befindet sich in einer tiefgreifenden humanitären Krise, die sich auf nahezu alle Lebensbereiche auswirkt. Der anhaltende bewaffnete Konflikt hat Millionen von Menschen zur Flucht gezwungen und den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutzmassnahmen erheblich eingeschränkt. Besonders betroffen sind Frauen, Jugendliche und Kinder, die verstärkt Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt sind.

Im Mai 2024 wurde die Übergangsperiode der Militärregierung unter Ibrahim Traoré um fünf Jahre verlängert. Als Begründung wurde die weiterhin prekäre Sicherheitslage angegeben. Die anhaltenden Kämpfe erschweren humanitäre Hilfe und verschärfen insbesondere in ländlichen Regionen die Versorgungsengpässe. Zahlreiche Gesundheits- und Bildungseinrichtungen sind nicht mehr funktionsfähig, ganze Gebiete sind von grundlegenden Dienstleistungen abgeschnitten. Die Regierung betont, Stabilität wiederherstellen zu wollen. Dennoch bleibt unklar, wann demokratische Wahlen stattfinden werden und wie sich die politische Lage langfristig auf die Bevölkerung auswirkt.

Die Gesundheitsinfrastruktur ist vielerorts stark geschwächt, was sich auf die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen und Jugendlichen auswirkt. Der Zugang zu Verhütungsmitteln, pränataler Betreuung und sicheren Entbindungen ist eingeschränkt. In überfüllten Lagern für Binnenvertriebene fehlt es an sanitären Einrichtungen, sicheren Toiletten und Hygieneartikeln.

Die Krise hat in einigen Regionen zu einem Anstieg geschlechtsspezifischer Gewalt geführt. Frühverheiratungen nehmen zu, insbesondere in ländlichen Gebieten und unter Binnenvertriebenen, da Familien oft wirtschaftlich unter Druck stehen. Soziale Normen und kulturelle Tabus erschweren eine offene Auseinandersetzung mit sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten sowie mit geschlechtsspezifischer Gewalt. Gewaltbetroffene Frauen und Mädchen haben kaum Zugang zu Beratung, medizinischer Versorgung oder Schutzmechanismen.

Um die Herausforderungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und geschlechtsspezifischer Gewalt zu bewältigen, sind koordinierte Ansätze erforderlich. Die Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden, Gemeinschaften und Fachorganisationen kann entscheidend dazu beitragen, strukturelle Barrieren abzubauen und nachhaltige Lösungen zu schaffen. Der Zugang zu Gesundheits- und Schutzdiensten muss verbessert werden, insbesondere für Jugendliche und Frauen in ländlichen Gebieten. Gleichzeitig gilt es, soziale Normen zu hinterfragen und Gemeinschaften aktiv in Veränderungsprozesse einzubeziehen.

BurkinaFaso

Projekte

Sexualaufklärung an Schulen
Das Projekt unserer Partnerorganisation PADESEC stärkt die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Jugendlichen durch die Einführung des nationalen Programms «Erziehung zum Familienleben» an 16 Schulen. Im Jahr 2024 wurden 316 Aufklärungsveranstaltungen an Schulen sowie in Ausbildungszentren für intern Vertriebene durchgeführt und erreichten insgesamt 3’950 Jugendliche. Rund 30% der Teilnehmenden gaben an, nun eigenständig und verantwortungsbewusst über ihre Sexualität entscheiden zu können. Traditionelle Führungspersonen engagierten sich, um Geschlechternormen zu hinterfragen und insbesondere Väter stärker in Erziehungsaufgaben einzubeziehen. 20 Männer und Jungen wirkten als positive Vorbilder in ihren Gemeinden. Sie reflektierten Rollenbilder, setzten sich für gleichberechtigte Partnerschaften ein und sensibilisierten ihr Umfeld für reproduktive Gesundheit und Gewaltprävention. Dies trägt dazu bei, soziale Normen nachhaltig zu verändern und sichere, unterstützende Rahmenbedingungen für Jugendliche zu schaffen.

Projektkosten*: 89’400.–

BurkinaFaso Sexualaufklärung an Schulen

Ohne Scham und Vorurteile über Menstruation sprechen
Menstruationshygiene ist in Teilen von Burkina Faso eine grosse Herausforderung, da viele Schulen nicht über angemessene Waschräume verfügen und Hygieneprodukte für viele Mädchen unerschwinglich sind. Dies führt dazu, dass Mädchen während ihrer Menstruation dem Unterricht fernbleiben. Unsere Partnerorganisationen PADESEC und OJUSEG fördern die Menstruationshygiene durch Aufklärung, Zugang zu Hygieneprodukten und Diskussionen zu Geschlechternormen. Im Jahr 2024 fanden 217 Reflexionsgespräche mit Jugendlichen, Eltern und auch Gefängnisinsassinnen statt, die Raum für offenen Austausch schufen. 106 Bildungsgespräche vermittelten praktisches Wissen an 900 Jugendliche, und zwei Radiosendungen erreichten über 20’000 Hörer*innen. 168 benachteiligte Mädchen erhielten wiederverwendbare Binden, um ihren Schulbesuch zu sichern. 25 Frauen stellten im Rahmen des Projekts zertifizierte, wiederverwendbare Binden her. Nationale Konsultationen stärkten die Integration des Themas in Bildungs- und Gesundheitsprogramme.

Projektkosten*: CHF 80’000.–

BurkinaFaso Ein sicheres Leben für Frauen und Jugendliche in Goldminen

Ein sicheres Leben für Frauen und Jugendliche in Goldminen
Unsere Partnerorganisation AVSD setzt sich in den Goldschürfgebieten Burkina Fasos für den Schutz von Frauen und Jugendlichen ein, die dort besonders stark von Gewalt – insbesondere sexueller Gewalt – bedroht sind. Zu den Aktivitäten gehörte unter anderem der Aufbau eines Telefonnetzes, das die Meldung von Rechtsverletzungen und die Weiterleitung an geeignete Stellen ermöglicht. Um das Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten zu senken, hat das Projekt 20 lokale Geschäfte einbezogen, die nun Verhütungsmittel anbieten. Vier Schutzkomitees erfassten 2024 924 Fälle von Gewalt und betreuten die Betroffenen. Durch 192 Sensibilisierungsaktivitäten wurden 2’816 Menschen erreicht, darunter 65 Binnenvertriebene. In vier Goldschürfgebieten wurden 40 junge Männer als positive Rollenvorbilder für Geschlechtergerechtigkeit ausgewählt. Sie zeichnen sich durch ihre respektvolle Haltung gegenüber Frauen aus und setzen sich aktiv für Gleichberechtigung ein. Vier Radiosendungen verstärkten die Aufmerksamkeit für Gleichstellung und sexuelle Gewalt.

Projektkosten*: CHF 106’300.–

BurkinaFaso Vorurteile Menstruation

*Kofinanzierung DEZA

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