Westafrika • Senegal

Senegal

Senegal zeichnet sich durch ethnische und religiöse Vielfalt sowie eine lange Geschichte politischer und sozialer Stabilität aus. Das Land hat weder Militärputsche noch Bürgerkriege erlebt – mit Ausnahme des Unabhängigkeitskonflikts in der südlichen Casamance-Region in den 1980er Jahren – und blickt auf eine lange Tradition des Friedens und der Demokratie zurück.

Im März 2024 kam es zu einem bedeutenden politischen Umbruch: Erstmals gewann ein Oppositionskandidat, Bassirou Diomaye Faye, die Präsidentschaftswahlen und löste Macky Sall ab, der das Land zwölf Jahre lang regiert hatte. Der politische Übergang verlief weitgehend geordnet, obwohl die Jahre davor von gesellschaftlichen Spannungen und Protesten geprägt waren. Die neue Regierung kündigte umfassende Reformen an, darunter eine stärkere wirtschaftliche Unabhängigkeit von internationalen Partnern.
Die Gleichstellung der Geschlechter bleibt eine Herausforderung. Zwar sind 46,1% der Parlamentssitze mit Frauen besetzt – ein Erfolg des seit 2010 geltenden Paritätsgesetzes. In der neuen Regierung hingegen wurden nur vier von 25 Ministerposten an Frauen vergeben, was lediglich 13% des Kabinetts entspricht. Ausserdem wurde das frühere Ministerium für Frauen, Familie und Kinderschutz mit dem Ministerium für Familie und Solidarität fusioniert, was besonders von Frauenrechtsorganisationen heftig kritisiert wurde.

Ein zentrales Anliegen der neuen Regierung ist die Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit, die irreguläre Migration begünstigt. Mit einem Durchschnittsalter von 19,4 Jahren hat Senegal eine sehr junge Bevölkerung, doch vielen fehlt der Zugang zu stabilen wirtschaftlichen Perspektiven. Die Regierung plant Investitionen in Bildung und Ausbildung junger Senegales*innen sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen bleibt essenziell, da viele von wirtschaftlichen Strukturen und Eigentumsrechten ausgeschlossen sind.

Der Zugang zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdiensten bleibt begrenzt. Besonders drastisch zeigt sich dies bei Schwangerschaftsabbrüchen: Die aktuelle Gesetzgebung verbietet Abtreibungen fast vollständig. Zwar ist der Zugang zu Informationen über sexuelle und reproduktive Gesundheit besser geworden, doch jugendgerechte Angebote sind weder flächendeckend verfügbar noch ausreichend vertraulich. Gesellschaftliche Tabus, Stigmatisierung und das Fehlen niedrigschwelliger Beratungsdienste erschweren informierte Entscheidungen – insbesondere für Mädchen und junge Frauen, die durch gesellschaftliche Normen und patriarchale Strukturen zusätzlich benachteiligt sind.

Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein ernstzunehmendes Problem, verlässliche und aktuelle Daten zur Verbreitung sind jedoch kaum vorhanden. Viele Fälle werden nicht gemeldet, sei es aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung, fehlendem Vertrauen in Schutzmechanismen oder mangelnder rechtlicher Durchsetzung.

Senegal

Projekte

Keine Beschneidung mehr in der Region Blouf
Unsere Partnerorganisation Eusobul setzt sich für ein sicheres und gewaltfreies Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in der Region Blouf ein – mit besonderem Fokus auf die Bekämpfung weiblicher Genitalbeschneidung, früher Verheiratung und Gewalt in der Erziehung. Zu ihren grossen Erfolgen zählt, dass weibliche Genitalbeschneidung zunehmend kritisch hinterfragt wird und alternative Rituale entwickelt werden. Zehn Treffen mit weiblichen Führungspersönlichkeiten trugen 2024 dazu bei, diese Entwicklung voranzutreiben. Religiöse Führungspersonen setzten sich in zwei öffentlichen Konferenzen ebenfalls kritisch mit geschlechtsspezifischen Normen auseinander. Inzwischen akzeptieren 93% der Gemeindemitglieder das Initiationsritual für Mädchen auch als abgeschlossen, wenn diese unbeschnitten bleiben. Zudem wurden 1’500 Eltern und traditionelle Führungspersonen für positive Erziehungsmethoden sensibilisiert. In 50 intergenerationellen Dialogen reflektierten Erwachsene und Jugendliche gemeinsam ihre Rollenbilder und Erziehungserfahrungen. 71% der Jugendlichen berichten inzwischen von besseren Beziehungen zu Erwachsenen, da körperliche Strafen zurückgegangen sind.

Projektkosten*: CHF 164’000.–

Senegal Frühschwangerschaften und HIV/Aids reduzieren

Zugang und Wissen zu Verhütung verbessern
Unsere Partnerorganisation AcDev setzte 2024 ihre Arbeit zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte von Jugendlichen fort. Ziel ist es, Tabus rund um Sexualität abzubauen und den Zugang zu medizinischer Versorgung, Prävention und Informationen zu verbessern. AcDev erreichte durch Sensibilisierungsaktivitäten 7’392 Jugendliche. Zwei mobile Teams und drei Jugendgesundheitszentren boten niederschwellige Beratungen an, wodurch 1’130 Jugendliche die Beratungsdienste zu Verhütung nutzten – mehr als erwartet. Das Personal wurden geschult, um die Qualität der Angebote zu sichern. 45 Jugendliche wurden als «Peer-Educators» ausgebildet, die nun als Ansprechpersonen für Gleichaltrige agieren und aktiv über sexuelle Gesundheit aufklären. Trotz gesellschaftlicher Stigmatisierung und begrenztem Zugang zu jugendfreundlichen Gesundheitsdiensten zeigen die erzielten Fortschritte eine positive Entwicklung.
1’130 Jugendliche nutzten die Beratungsdienste zum Thema Verhütung.

Projektkosten*: CHF 104’000.–

Senegal Aufwachsen ohne Angst vor Beschneidung

Sexualaufklärung für Jugendliche
Unsere Partnerorganisation Intermondes setzt sich dafür ein, frühe Schwangerschaften und sexuelle Gewalt zu verhindern. Zentral dafür ist die soziale und politische Mobilisierung zu diesen Themen. 2024 förderte das Projekt die aktive Beteiligung von Jugendlichen, Lehrpersonen, Eltern und Gesundheitsdienstleister*innen. Im Zentrum standen Schulungen und Kommunikation zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Die Wirkung ist deutlich messbar: Der Anteil der im Rahmen des Projekts befragten Jugendlichen, die informierte Entscheidungen treffen, stieg von 20% auf 87% (3'758 Jugendliche), und 82% (3'542 Jugendliche) diskutieren nun offen mit ihren Eltern über Sexualität und Gewalt. Ein zielführender Ansatz war die Verbindung von sexueller Gesundheit und Sport: 12 gemischte Fussballturniere boten Mädchen und Jungen die Möglichkeit, sich in diesem Rahmen mit Geschlechtergerechtigkeit auseinanderzusetzen. Darüber hinaus fanden 1’200 Gruppendiskussionen statt, begleitet von 13 Gesundheitseinrichtungen. 2’775 Hausbesuche durch lokale Netzwerke stärkten die Präventionsarbeit direkt in den Familien.

Projektkosten*: CHF 88’200.–

Senegal Sexualaufklärung für Jugendliche

*Kofinanzierung DEZA

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